Hintergrund
2022 wurden durch das explorative Forschungsvorhaben „KliGeS“ (Ansätze für eine klimagesunde Settingprävention) Handlungsempfehlungen für eine klimagesunde Settingprävention herausgearbeitet.
Ein Folgeprojekt "KliGeS II" zur Erprobung von Klimagesundheitsförderung im Setting wurde daher als Praxis- und Forschungsprojekt Anfang 2023 durch den Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) in Auftrag gegeben.
Das explorative Forschungsvorhaben „KliGeS“ wurde zum besseren Verständnis der Entwicklungsetappen somit nachträglich zu „KliGeS I“.
Projektziele/ Fragestellung
Das Praxis- und Forschungsprojekt KliGeS II – Klimagesunde Settings – erprobte, aufbauend auf die Ergebnisse von KliGeS I, wie klimagesunde Lebenswelten partizipativ gestaltet und aufgebaut werden können.
Gleichzeitig wurde ein Netzwerk mit bestehenden Projekten, Expert:innen und weiteren Multiplikator:innen aufgebaut.
Methodik
Das Praxisprojekt begleitete vier Kitas und vier Pflegeeinrichtungen intensiv, um die Grundlage für zukünftige Ansätze und Skalierung der Klimagesundheitsförderung zu entwickeln. Im Zentrum dabei stand die Umsetzung des 7-Phasen-Modells der Organisationsentwicklung (Geene & Rosenbrock 2012):

Der Netzwerkaufbau zur Einbettung des Praxis- und Forschungsprojekts wurde durch das Starten einer Netzwerkstatt, das Organisieren einer regelmäßigen Beiratssitzung und Beteiligung an diversen Veranstaltungen wie Fachtagungen und Workshops weiter vorangetrieben.
Im Hintergrund wurden wissenschaftliche Recherchen betrieben, um passende Instrumente/ Tools für den Organisationsentwicklungs-Prozess sowie ein praxisorientiertes Handbuch zu entwickeln.
Ergebnisse
Nach einer Akquise konnten jeweils 4 KiTa- und 4 Pflegeeinrichtungen für das Projekt gewonnen werden.
1. Phase Projektvoraussetzung
Hier wurde zunächst die Teilnahmebereitschaft der Einrichtungen geklärt und nächste Schritte und Termine besprochen. Dazu gehörte auch eine Einführung in das 7-Phasen-Modell.
2. Phase Projektvorbereitung
Zur inhaltlichen Einführung in die Thematik „Klimawandel und Gesundheit“ wurden Workshops geführt. Dabei sollte Verständnis für die Themen „Co-Benefits“, „partizipatives Arbeiten“ und „Organisationsentwicklung“ geschaffen werden. Dazu wurden erste Ideen gesammelt, aber auch mögliche Probleme und Lösungen besprochen.
3. Phase Projektinitiierung
Die zentralen Akteur:innen in den Einrichtungen die sog. „KlimaGesundheits-Scouts“ und/oder Steuerungskreise wurden von den Einrichtungen benannt, diese jeweiligen Strukturen bestanden meist aus stellv. Leitung, Küchen- und hauswirtschaftlichem Personal sowie pädagogischen/ pflegerischen Fachkräften. Ebenso wurde eine Bestandsaufnahme durchgeführt, um im weiteren Verlauf Soll-Ist-Analysen umsetzen zu können. Es wurden Stärken und Entwicklungsbereiche bzw. Veränderungspotentiale identifiziert. In Überleitung zur nächsten Phase wurde dann ein individueller Ablaufplan erstellt.
4. Phase Projektstart
Mit einem Auftaktworkshop ging es in die 4. Phase. Aus einer gemeinsamen Auswertung der ersten Soll-Ist-Analyse konnten Zielen& Maßnahmen abgeleitet werden. Diese wurden daraufhin geordnet und in einer Ziele-Maßnahmen-Tabelle (ZMT) festgehalten.
5. Phase Projektumsetzung
In der fünften Projektphase wurden die Ziele erfolgreich in Maßnahmen umgesetzt und weiterentwickelt. Durch die Ziele-Maßnahmen-Tabelle konnte dies systematisch dokumentiert werden.
Konkret umgesetzt wurden u. a. Nachhaltigkeitswochen, Müllsammel- und Spendenaktionen, ein Elterncafé mit Energieberatung, Achtsamkeitstrainings für das Personal sowie die Einführung eines klimagesunden Gartens oder Küchenumstellung auf nachhaltige und größtenteils pflanzenbasierte Gemeinschaftsverpflegung.
Dazu gehörten auch Netzwerkveranstaltungen, (Peer-to-Peer) Workshops sowie interne Fortbildungen. Im Rahmen diverser Organisationsentwicklungsprozesse wurden auch OE-Schulungen für das Leitungspersonal durchgeführt.
Die Maßnahmen wurden zunehmend eigenverantwortlich von den Beteiligten geplant und getragen, was die strukturelle Verankerung und den langfristigen Wandel in den Lebenswelten stärkt.
6. Phase Projektabschluss
Im Zeitraum der Phase 6, wurde die Exploration in den Einrichtungen weitergeführt und vollendet. Hierbei lag der Fokus auf Stabilisierung und Nachhaltigkeit. Die entwickelten Maßnahmen und Prozesse wurden in das Leitbild sowie in bestehende Qualitätsmanagementsysteme der Einrichtungen integriert. Die institutionelle Etablierung der Steuerungsteams und der klimagesunden Organisationsentwicklungsprozesse wurden vom KliGeS-Team unterstützt.
Parallel wurde ein Handbuch konzeptioniert, welches eine strukturierte Übersicht zur Implementierung von Maßnahmen der Klimagesundheitsförderung entlang des 7-Phasen Modells der Organisationsentwicklung beinhaltet.
Es sollte konkrete Handlungsempfehlungen, geordnet nach relevanten Handlungsfeldern, sowie eine Zuordnung von Verantwortlichkeiten und potenziellen Kooperationspartner*innen bieten.
Mit dem Ziel, praxisnahe und umsetzbare Strategien zu bündeln, die sowohl kurzfristige als auch langfristige Entwicklungen berücksichtigen. Zentrale Herausforderungen sollen dabei adressiert und Lösungsansätze aufgezeigt werden, die zur nachhaltigen Verbesserung in den entsprechenden Bereichen beitragen können. Das Dokument wird als Arbeitsgrundlage für die weitere konzeptionelle und strategische Ausrichtung in Richtung Stabilisierung und Nachhaltigkeit dienen und bei Bedarf weiterentwickelt und ergänzt werden. Zudem kann die Handreichung auf verschiedene Settings und zugleich neue Zielgruppen erweiterbar sein.
7. Phase Projektverstetigung
In der finalen Projektphase stand die nachhaltige Verankerung klimagesunder Strukturen im Mittelpunkt. Die Einrichtungen wurden weiterhin individuell und bedarfsorientiert begleitet, aber zunehmend sollten die Einrichtungen sämtliche Prozesse selbst übernehmen(Partizipation Stufe 6 gemäß der Good Practice Kriterien des Kooperationsverbunds „Gesundheitliche Chancengleichheit“ (https://www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/good-practice/arbeitshilfen-gute-praxis-konkret/arbeitshilfe-partizipation/). So orientierten sie sich bei der Umsetzung entlang ihrer selbst definierten Zielhierarchien und entwickelten bzw. aktualisierten ihr eigenes Leitbild.
Der Projektabschluss wurde schrittweise bis Januar 2026 vorbereitet. Dazu zählten bilaterale Abschlussgespräche (Bilanzmeetings) mit den einzelnen Einrichtungen sowie eine gemeinsame Abschlussveranstaltung im März 2026, bei der die Ergebnisse gebündelt und Perspektiven für die Zukunft diskutiert wurden.
Des Weiteren wurden verschiedene Fachgespräche zu den Themen digitale Gesundheitsförderung, Gesundheitskommunikation, Adhärenz und Akquise geführt. Es fand eine dritte Beiratssitzung mit den Themenschwerpunkten Künstliche Intelligenz und langfristige Verstetigung statt.
KliGeS organisierte als Teil des BIGSo die Preconference der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP) und nahm an zahlreichen Fachveranstaltungen, Netzwerktreffen und Kongressen teil.
Laufzeit:
Projektetappe I: 01.04.23 - 31.03.25
Projektetappe II: 01.04.25 - 31.03.26
Durchführung:
Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialwissenschaften (BIGSo)
Projektleitung:
Projektkoordination:
Nadja Höhl (M.Sc.PH - aktuell in Elternzeit)
Nekisa Bagheri (M.Sc.PH.)
Projektmitarbeitende:
Eric Krase (M.Sc.PH.)
Luis Stängl (M.Sc.PH.)
stud. Projektmitarbeitende:
Lena Siedler (cand. M.Sc.PH.)
Jakob Walther (cand. M.Sc.PH.)
Gefördert durch:
Verband der Privaten Krankenversicherung e.V.
Publikationen:
Arndt, N., Geene, R., Hartung, E., Ihm, M., Krase, E., Lehmann, F. (2026). Klimagesundheitsförderung – ein Schlüsselbegriff zur Entwicklung von Strategien zur klimafreundlichen Prävention und Gesundheitsförderung in Lebenswelten. In: Kolhoff, L. (eds) Aktuelle Diskurse in der Sozialwirtschaft VI. Perspektiven Sozialwirtschaft und Sozialmanagement. Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-49577-0_7
Arndt, N., Geene, R., Hartung, E., Ihm, M., Krase, E., Lehmann, F., Rieck, T. (2025). Klimagesundheitsförderung – ein Schlüsselbegriff zur Entwicklung von Strategien zur klimafreundlichen Prävention und Gesundheitsförderung in Lebenswelten. In: Kolhoff, L. (Hg). Aktuelle Diskurse in der Sozialwirtschaft. Wiesbaden: Springer VS. https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-43290-4
Krase, E., Geene, R., Arndt, N., Hartung, E., Ihm, M. & Lehmann, F. (2024) Klimagesundheitsförderung. In: S. Hartung, P. Wihofszky (Hrsg.): Gesundheit und Nachhaltigkeit, Springer Reference Pflege– Therapie– Gesundheit, https://doi.org/10.1007/978-3-662-64954-1_46-1
Dokumentation EUPHA-Tagung (2023)